Geschichte

Die Anfänge der evangelischen Gemeinde in Rom
Mit einem Flugblatt fing alles an. Es wurde im Caffè Greco, nahe der Spanischen Treppe, dem damaligen Treffpunkt der Deutschen, verteilt und lud zu einem evangelischen Gottesdienst anlässlich der 300-Jahr-Feier der Reformation am 31. Oktober 1817 ein. Die Feier dieses Gottesdienstes in der Wohnung des Sekretärs der Preußischen Gesandtschaft war der erste evangelische Gottesdienst in der Stadt des Papstes überhaupt. Die Teilnehmer waren davon derart angetan, dass der preußische Gesandte beim Heiligen Stuhl, Barthold Georg Niebuhr, sowie sein Vertreter und Nachfolger, Christian Josias von Bunsen, beim preußischen König Friedrich Wilhelm III. vorstellig wurden. Dieser entsandte daraufhin den ersten evangelischen Pfarrer nach Rom: Heinrich Eduard Schmieder, Pfarrer in Rom von 1819 bis 1823. Die evangelischen Gottesdienste wurden in dieser Zeit am Sitz der Preußischen Botschaft auf dem Kapitol gefeiert. Niebuhr und Bunsen kümmerten sich zudem um alle Anliegen der jungen Gemeinde. Man baute ein Hospital und dachte sogar an die Einrichtung einer Schule. Im Jahr 1871 wurde Rom die Hauptstadt des Königreiches Italien. Die evangelische Gemeinde konnte in der Folge aus dem Schutz der Botschaft in die Öffentlichkeit treten und den Bau eines eigenen Kirchengebäudes in Angriff nehmen. Allerdings fanden die Gottesdienste bis 1915 weiterhin in dem zur Kapelle hergerichteten Botschaftsraum des Palazzo Caffarelli auf dem Kapitol statt. In der Christuskirche, der heutigen Kirche der Gemeinde, finden sich noch immer Spuren und Ausstattungsstücke, die an diese Geschichte erinnern. Hinter dem Taufstein steht der Altartisch aus der preußischen Gesandtschaftskapelle, auf dem ein Kruzifix und zwei Kerzenhalter stehen. Sie stammen ebenfalls aus der Kapelle, ebenso wie die sechs Rundbilder (Tondi), von denen fünf an der Rückwand des Gottesdienstraumes hängen. Sie stellen Christus und die vier Evangelisten dar. Der sechste Tondo ist Johannes dem Täufer gewidmet und ist in der Vorhalle der Kirche angebracht.

Der Weg zu einer evangelischen Kirche in Rom
Die Gemeinde verfolgte den Plan eines eigenen Kirchenbaus und sammelte dafür in Deutschland. Bereits 1899 war ein Grundstück für den Bau erworben worden. Auf dem Gelände der ehemaligen Villa Ludovisi (in der Antike befanden sich hier die Horti Sallustiani), sollte nach dem Willen Kaiser Wilhelm II. eine repräsentative evangelische Kirche entstehen. Er betraute seinen bevorzugten Architekten Franz Schwechten mit dem Projekt, der auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin gebaut hatte. Lutherstädte Mitteldeutschlands spendeten Baumaterial für die Ausgestaltung der neuen Kirche. Der Turm erhielt eine Kopie des Geläuts der Schlosskirche von Wittenberg. Nach Verzögerungen durch den Ersten Weltkrieg konnte die neue Christuskirche im Jahr 1922 geweiht werden.

Architektur und Gestaltung der Christuskirche
Die schlichte Fassade aus Travertin ist mit Lesenen verziert und hat drei Nischen mit je einer Statue: in der Mitte Christus, links von ihm Petrus, rechts Paulus. Der Innenraum ist im romanischen Stil gehalten, mit Halbkreisbögen und Mosaiken, die in der Regel geometrische Muster darstellen. Eine Ausnahme ist das Apsismosaik, das Christus als Pantokrator darstellt. Der Adler an der Kanzel, der das Lesepult stützt, ahmt die süditalienischen Kanzelverzierungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert nach. Im rechten Seitenschiff befindet sich der Taufstein. Das Becken stammt von Wilhelm Hopfgarten, die Basis ist Tonmodellen Bertel Thorvaldsens für einen Taufstein in der Kirche von Brahetrolleborg in Fühen, Dänemark, nachgebildet.

Der erste evangelische Pfarrer von Rom, Heinrich Eduard Schmieder