Matthäus 3,13-17

Liebe Gemeinde,
es gibt Ereignisse, da öffnet sich sprichwörtlich der Himmel. Epiphanie.
Ich sehe plötzlich klar, was vorher nur verschwommen war. Das riesig
geglaubte Problem löst sich in Luft auf. Die Lösung lag doch auf der
Hand. Ein Gesprächspartner zeigt mir eine neue Sichtweise und mir
gehen die Augen auf. Nicht jeder fällt dabei wie Saulus vom Pferd, weil
die Eingebung so überwältigend ist. Aber da ist eine neue Perspektive.
Da wird mir etwas Klarer. Da sehe ich neu. Da spüre ich mich gesendet.
Motiviert. Bewegt. Vielleicht war das für mein Umfeld gar nicht sichtbar,
aber für mich. Habt ihr so einen Moment vor Augen? Wo sich Himmel
und Erde berühren?
Im Evangelium haben wir von einem solchen Moment gehört. Da geht
der Himmel auf. Die Stimme spricht klar zu ihm. Und Jesus kann
aufbrechen. Ob er ahnte, was da geschehen würde, als er mit den
anderen zusammen an den Jordan kam? Wir haben ja nur diesen kurzen
Ausschnitt gehört, voran geht der Bericht über Johannes den Täufer.
Dieser leicht sonderbare Prediger mit dem speziellen Äußeren, der zur
Umkehr aufruft. Menschen strömen aus allen Richtungen an den Jordan.
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! (Mt 3,2)
Johannes verkündet es besonders der religiösen Obrigkeit, die sich
sicher in ihrem theologischen Haus eingerichtet hatte.
Selbst diese kommen, um zu schauen, sich selbst ein Bild zu machen.
Wer ist der Mann und was sagt er? Ja, ihr, kehrt um, bringt Früchte. Im
Advent haben wir ausführlich von Johannes und seiner Botschaft gehört.
Heute begegnen wir ihm wieder. Und wieder steht nicht er im Mittelpunkt
des Interesses. Er verweist weiter: Ich taufe euch mit Wasser zur
Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert,
ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit
Feuer taufen (Mt 3,11). Da kommt ein anderer, der hat weitaus größere
Macht als Johannes. Der ruft nicht nur zur Umkehr auf, nein, der wird
eine neue Existenz schenken. Wer untergetaucht wird, empfängt den
Geist Gottes, wird ganz neu werden. Die Menschen kommen zu
Johannes, so auch Jesus. Die beiden treffen aufeinander – historisch
gesicherte Begegnung. Jesus, der bisher Johannes folgte, von seiner

Botschaft hörte, kommt an den Fluss. Vor meinem inneren Auge stehen
die beiden sich gegenüber.
Und Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von
dir getauft werde, und du kommst zu mir? (V. 14) Wie soll das zugehen?
Johannes sieht Jesus als Stärkeren als Erfüllung der Verheißungen
Gottes, wie soll er also ihn untertauchen? Doch, lass es zu, antwortet
ihm Jesus, bestärkt ihn. Sieht darin Gottes Willen, dem er sich
unterordnet. Jesus verzichtet auf Sonderbehandlung und Allüren. Er
stellt sich in die Reihe des Volkes. In der wir auch stehen. Neben uns
steht er. Lässt sich untertauchen in den Fluten des Jordans. Und ihm
geht der Himmel auf. Ja, ihm.
Wir stellen uns das ja oft so vor, dass da Gewaltiges am Himmel
passiert, eine donnernde Stimme, vielleicht ein gleißend-heller
Sonnenschein. Davon lesen wir nichts. Sondern: Da tat sich ihm der
Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren
und über sich kommen (V. 16). Jesus selbst geht der Himmel auf. Er
vernimmt die Stimme. Keine öffentliche Proklamation, wie es die
Herrscher damals zu tun pflegten. Ein höchst intimes Ereignis. Jesu
Berufung. Jesu Stärkung. Jesu Epiphanie. Sein weltveränderndes
Wirken steht bevor. Und bevor er anfängt zu verkündigen, zu heilen, die
Welt für immer zu verändern, lässt er sich stärken. Als jüdischer Rabbi
wird er die Worte in den Ohren gehabt haben, die auch wir in der Lesung
vernahmen: Ich, der Herr, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte
dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für
das Volk, zum Licht der Heiden,  7 dass du die Augen der Blinden öffnen
sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen
in der Finsternis, aus dem Kerker (Jes 42,6f).
Jesus wird vom Vater gestärkt. Wird gesendet zu seinem Auftrag, der im
Kleinen beginnen und dann für großen Aufruhr sorgen wird. Daher ist
dann bei Jesu Kreuzigung auch die Erde im Wanken, es wird für alle
sichtbar, selbst für den heidnisch-römische Soldaten, wer dort am Kreuz
stirbt. Dann werden es alle sehen. Und Keiner wird am Kreuz
vorbeischauen können. Aber so weit ist es hier noch nicht. Im Stillen, im
Kleinen beginnt Jesu Wirken. Untergetaucht wie das normale Volk am
Jordan von Johannes. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel
sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (V. 17).
Nicht ein Sohn, dies ist mein Sohn. Dieses Bekenntnis Gottes zu ihm
lässt ihn aufbrechen. Wo Jesus künftig redet, da redet Gott selbst zu

seinem Volk. Er wird von nun an neu-sehen, neu-hören, neu-sprechen.
Weil Gott selbst durch ihn spricht.
Eine neue Qualität. Mein Sohn. Meine Tochter. Bei der Taufe wird uns
das persönlich, auf den Kopf zugesprochen. Dein Name wird genannt,
laut ausgesprochen. Dein Name findet Eingang in Gottes Buch des
Lebens. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir
(vgl. Jes 43,1). Alte Jesaja Worte, die einst dem erwählte Volk galten, sie
werden persönlich. Du gehörst zu mir. Keine Masse. Sondern du, mit
deinem Leben und deiner Geschichte. Wenn wir gleich Tauferinnerung
feiern, darf uns das stärken. Du gehörst zu Gott. Mit deinem Leben. Mit
deiner Geschichte. Mit deiner brüchigen Existenz.
Ja, eine neue Zeit bricht an, wenn Jesus selbst an den Fluss kommt.
Wenn er später selbst das Mandat zur Taufe geben wird. Die Taufe
markiert eine Zäsur im Leben eines Christenmenschen. Duch die Taufe
ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. Für uns. Für dich und mich. In
der Taufe untergangen ist, was uns von Gott trennt, der alte Mensch. In
der Taufe auferstanden ist der Mensch, der an Christus gebunden ist.
Gott hat darin sein Versprechen gegeben – unauflöslich hat er sich an
dich und mich gebunden. Bei den aller Meisten lange bevor wir uns ihm
zuwenden konnten. Ich stauen immer wieder neu, wenn ich ganz kleine
Kinder taufen darf über unseren Gott und sein großes Ja zum kleinen
Menschlein. Eh wir entscheiden Ja und Nein, gilt für uns schon gerettet
sein (EG 211,3). Das ist Gottes Versprechen in der Taufe. Und wir
dürfen, ja wir sollen uns im Leben immer neu dankbar an den Tag
unserer Taufe erinnern. So, wie es Jesus gestärkt, versichert und
gesendet hat, stärkt, versichert und sendet uns unsere Taufe. All unser
Wirken ist darin gegründet. Unser Glaube. Unsere Tat, die aus diesem
Glauben geschieht. Und dann steht der Himmel offen. Damals am
Jordan. Heute für uns. Amen.Matthäus 3,13-17

Liebe Gemeinde,
es gibt Ereignisse, da öffnet sich sprichwörtlich der Himmel. Epiphanie.
Ich sehe plötzlich klar, was vorher nur verschwommen war. Das riesig
geglaubte Problem löst sich in Luft auf. Die Lösung lag doch auf der
Hand. Ein Gesprächspartner zeigt mir eine neue Sichtweise und mir
gehen die Augen auf. Nicht jeder fällt dabei wie Saulus vom Pferd, weil
die Eingebung so überwältigend ist. Aber da ist eine neue Perspektive.
Da wird mir etwas Klarer. Da sehe ich neu. Da spüre ich mich gesendet.
Motiviert. Bewegt. Vielleicht war das für mein Umfeld gar nicht sichtbar,
aber für mich. Habt ihr so einen Moment vor Augen? Wo sich Himmel
und Erde berühren?
Im Evangelium haben wir von einem solchen Moment gehört. Da geht
der Himmel auf. Die Stimme spricht klar zu ihm. Und Jesus kann
aufbrechen. Ob er ahnte, was da geschehen würde, als er mit den
anderen zusammen an den Jordan kam? Wir haben ja nur diesen kurzen
Ausschnitt gehört, voran geht der Bericht über Johannes den Täufer.
Dieser leicht sonderbare Prediger mit dem speziellen Äußeren, der zur
Umkehr aufruft. Menschen strömen aus allen Richtungen an den Jordan.
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! (Mt 3,2)
Johannes verkündet es besonders der religiösen Obrigkeit, die sich
sicher in ihrem theologischen Haus eingerichtet hatte.
Selbst diese kommen, um zu schauen, sich selbst ein Bild zu machen.
Wer ist der Mann und was sagt er? Ja, ihr, kehrt um, bringt Früchte. Im
Advent haben wir ausführlich von Johannes und seiner Botschaft gehört.
Heute begegnen wir ihm wieder. Und wieder steht nicht er im Mittelpunkt
des Interesses. Er verweist weiter: Ich taufe euch mit Wasser zur
Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert,
ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit
Feuer taufen (Mt 3,11). Da kommt ein anderer, der hat weitaus größere
Macht als Johannes. Der ruft nicht nur zur Umkehr auf, nein, der wird
eine neue Existenz schenken. Wer untergetaucht wird, empfängt den
Geist Gottes, wird ganz neu werden. Die Menschen kommen zu
Johannes, so auch Jesus. Die beiden treffen aufeinander – historisch
gesicherte Begegnung. Jesus, der bisher Johannes folgte, von seiner

Botschaft hörte, kommt an den Fluss. Vor meinem inneren Auge stehen
die beiden sich gegenüber.
Und Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von
dir getauft werde, und du kommst zu mir? (V. 14) Wie soll das zugehen?
Johannes sieht Jesus als Stärkeren als Erfüllung der Verheißungen
Gottes, wie soll er also ihn untertauchen? Doch, lass es zu, antwortet
ihm Jesus, bestärkt ihn. Sieht darin Gottes Willen, dem er sich
unterordnet. Jesus verzichtet auf Sonderbehandlung und Allüren. Er
stellt sich in die Reihe des Volkes. In der wir auch stehen. Neben uns
steht er. Lässt sich untertauchen in den Fluten des Jordans. Und ihm
geht der Himmel auf. Ja, ihm.
Wir stellen uns das ja oft so vor, dass da Gewaltiges am Himmel
passiert, eine donnernde Stimme, vielleicht ein gleißend-heller
Sonnenschein. Davon lesen wir nichts. Sondern: Da tat sich ihm der
Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren
und über sich kommen (V. 16). Jesus selbst geht der Himmel auf. Er
vernimmt die Stimme. Keine öffentliche Proklamation, wie es die
Herrscher damals zu tun pflegten. Ein höchst intimes Ereignis. Jesu
Berufung. Jesu Stärkung. Jesu Epiphanie. Sein weltveränderndes
Wirken steht bevor. Und bevor er anfängt zu verkündigen, zu heilen, die
Welt für immer zu verändern, lässt er sich stärken. Als jüdischer Rabbi
wird er die Worte in den Ohren gehabt haben, die auch wir in der Lesung
vernahmen: Ich, der Herr, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte
dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für
das Volk, zum Licht der Heiden,  7 dass du die Augen der Blinden öffnen
sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen
in der Finsternis, aus dem Kerker (Jes 42,6f).
Jesus wird vom Vater gestärkt. Wird gesendet zu seinem Auftrag, der im
Kleinen beginnen und dann für großen Aufruhr sorgen wird. Daher ist
dann bei Jesu Kreuzigung auch die Erde im Wanken, es wird für alle
sichtbar, selbst für den heidnisch-römische Soldaten, wer dort am Kreuz
stirbt. Dann werden es alle sehen. Und Keiner wird am Kreuz
vorbeischauen können. Aber so weit ist es hier noch nicht. Im Stillen, im
Kleinen beginnt Jesu Wirken. Untergetaucht wie das normale Volk am
Jordan von Johannes. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel
sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (V. 17).
Nicht ein Sohn, dies ist mein Sohn. Dieses Bekenntnis Gottes zu ihm
lässt ihn aufbrechen. Wo Jesus künftig redet, da redet Gott selbst zu

seinem Volk. Er wird von nun an neu-sehen, neu-hören, neu-sprechen.
Weil Gott selbst durch ihn spricht.
Eine neue Qualität. Mein Sohn. Meine Tochter. Bei der Taufe wird uns
das persönlich, auf den Kopf zugesprochen. Dein Name wird genannt,
laut ausgesprochen. Dein Name findet Eingang in Gottes Buch des
Lebens. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir
(vgl. Jes 43,1). Alte Jesaja Worte, die einst dem erwählte Volk galten, sie
werden persönlich. Du gehörst zu mir. Keine Masse. Sondern du, mit
deinem Leben und deiner Geschichte. Wenn wir gleich Tauferinnerung
feiern, darf uns das stärken. Du gehörst zu Gott. Mit deinem Leben. Mit
deiner Geschichte. Mit deiner brüchigen Existenz.
Ja, eine neue Zeit bricht an, wenn Jesus selbst an den Fluss kommt.
Wenn er später selbst das Mandat zur Taufe geben wird. Die Taufe
markiert eine Zäsur im Leben eines Christenmenschen. Duch die Taufe
ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. Für uns. Für dich und mich. In
der Taufe untergangen ist, was uns von Gott trennt, der alte Mensch. In
der Taufe auferstanden ist der Mensch, der an Christus gebunden ist.
Gott hat darin sein Versprechen gegeben – unauflöslich hat er sich an
dich und mich gebunden. Bei den aller Meisten lange bevor wir uns ihm
zuwenden konnten. Ich stauen immer wieder neu, wenn ich ganz kleine
Kinder taufen darf über unseren Gott und sein großes Ja zum kleinen
Menschlein. Eh wir entscheiden Ja und Nein, gilt für uns schon gerettet
sein (EG 211,3). Das ist Gottes Versprechen in der Taufe. Und wir
dürfen, ja wir sollen uns im Leben immer neu dankbar an den Tag
unserer Taufe erinnern. So, wie es Jesus gestärkt, versichert und
gesendet hat, stärkt, versichert und sendet uns unsere Taufe. All unser
Wirken ist darin gegründet. Unser Glaube. Unsere Tat, die aus diesem
Glauben geschieht. Und dann steht der Himmel offen. Damals am
Jordan. Heute für uns. Amen.

1. Sonntag n. Epiphanias – Pfr. Patrick Spitzenberger